One year in Edinburgh! A retrospect (Ger/En)

English below.

 

Ein Jahr in Edinburgh- Was hat sich für mich geändert?

Es fühlt sich an als wäre die tränenreiche und hektische Verabschiedung an diesem grauen, regnerischen Wintertag gerade einmal ein paar Monate her. Doch ich bin mittlerweile schon seit einem Jahr in Schottland. Ein Jahr zwischen Dudelsäcken, Verständigungsproblemen und £3 Meal Deals. Die erste Aufregung ist vorüber und der Alltag kehrt ein.

Doch was hat sich geändert für mich? Habe ich mich verändert? Neues Land, neues Leben?

In meinem Fall: Definitiv ja.

Wer mich kennt weiß, wie sehr es mich immer in die Ferne gezogen hat. Ich war geplagt von einer inneren Unruhe, Traurigkeit und hatte das Gefühl ich war immer Fehl am Platz. Ich fühlte mich teilweise eingeengt und mein Leben zog passiv an mir vorbei, egal wie sehr ich versuchte es zu gestalten. Ich trat auf der Stelle und mochte nicht wer ich war.

Das alles ist weg. Seitdem ich in Edinburgh bin habe ich nie wieder diese Traurigkeit oder Enge gespürt. Selbst nach Monaten und bei mittlerweile stressigen Alltag geht es mir bestens. Ich bin förmlich aufgeblüht. Die stille, stets schwarz gekleidete Person mit den hängenden Schultern ist fort. Ich bin selbstbewusster, zielstrebiger und fröhlicher. Ich gehe auf Menschen zu, schaue mehr Sonnenuntergänge als Netflix und aus meinem einzigen Traum auszuwandern wurde eine ganze Reihe von kleinen und großen Zielen die ich beharrlich abarbeite.

Das klingt nun nach Eat-Pray-Love Klischee, aber hier bin ich endlich zu der selbstbewussten, zufriedenen Frau geworden, die ich immer sein wollte.

Woran liegt das? Regen und schöne Altbauten gibt es auch in meiner Heimatstadt. Das ein Tapetenwechsel gut tut, wird wohl keiner bestreiten. Aber warum ist es gerade Schottland, das mich so angezogen hat? Warum nicht einfach nur eine andere deutsche Stadt oder ein Land, wo es tatsächlich Sonnenschein und gutes Essen gibt?

Es ist nicht nur das Fremde und Aufregende. Immerhin habe ich nun Alltag, gehe zur Arbeit, koche Abends und kenne fast alle Schlaglöcher, bei denen man besser nicht auf einer Bustreppe steht. (Das sind viele btw, beschwert euch nie wieder über deutsche Straßen).

Doch es sind die vielen Feinheiten die anders sind und mir mehr Lebensqualität geben, wenn man vom schlechten Gesundheitssystem, nicht vorhandenem Mieterschutz und Schafmagen als Nationalspeise absieht.

Zum einem ist es natürlich Edinburgh und das Land an sich.

Die Parks, Bäume und Blumenbeete die sich an die alten Bauten schmiegen, die steilen Treppen und engen Gassen die wie Geheimwege anmuten. Die Stadt ist luftig, hell und sauber, man ist umgeben von Bergen, Wäldern und dem Meer. Die Einkaufsstraßen, Restaurants und Bars sind voller Leben, wenn man dem Trubel entkommen will, muss man keine 10 Minuten laufen um für sich zu sein. Edinburgh ist eine geschäftige Großstadt, die einem alles bietet ohne sich jemals eingeengt zu fühlen.

Zum anderem die Menschen. Man hat ja schon oft gehört von der Höflichkeit der Briten und man muss natürlich dazu sagen, dass vieles nur anerzogen ist. Dennoch ist der Umgang miteinander hier viel respektvoller und macht das Alltagsleben angenehmer. Egal ob beim anstehen zum Bus, wo man in Ruhe nacheinander einsteigt und sich nicht in einer Traube von Menschen reinkämpfen muss. Auf der Arbeit, wo respektvoller Umgang zwischen Kunden und Angestellten besteht (nur die Touristen benehmen sich daneben), oder beim verloren gehen, wo Polizisten und Gassi-Geher sich verbünden, um dich heile nach Hause zu bringen. Man grüßt und dankt dem Busfahrer, man ist sich hier bewusst, dass den Kundendienst anschreien niemandem hilft und 5 Leute kommen aus allen Richtungen angelaufen, um beim Koffer oder Tüten tragen zu helfen.

Man kommt viel leichter in ein Gespräch, egal ob Bushaltestelle, Aldi Warteschlange oder Pub.

Für mich als zurückhaltende Person ohne Ellenbogen ist es viel angenehmer. Kein übersehen werden an der Bar, niemand der einem mit dem Einkaufswagen in die Hacken fährt um als erster an der neu geöffneten Kasse zu sein.

Ich wurde in einem Jahr nur einmal auf der Straße angemacht und das war von einer Gruppe Touristen.

Ich habe kein mulmiges Gefühl, wenn ich am Wochenende Nachts alleine unterwegs bin. Egal wie betrunken, die Leute bleiben für sich und pöbeln nicht wild rum. Einmal wurde ich von Fremden in ein Taxi gesteckt, weil ich den Alkoholgehalt der Cocktails etwas unterschätzt hatte.

Ein weiterer Punkt sind die Chancen auf Arbeit hier. Obwohl es weitaus weniger Arbeitsplätze als in Deutschland gibt, wird hier kaum auf Zeugnisse und Zertifikate geachtet. Die Leute hier achten auf Persönlichkeit, Ehrgeiz und Engagement. Hier ist es nicht wichtig ob man eine Lehre und 5 Jahre Berufserfahrung hat, sondern ob man zum Unternehmen passt und Motivation mitbringt. (Ausgenommen sind natürlich Arztberufe und Pilot).

Im Allgemeinen kann man sagen, dass das alltägliche Zusammenleben und Miteinander viel angenehmer und einfacher ist als mit Deutschen und daher weniger stressig.

Aber natürlich war nicht alles immer nur positiv. Ich muss ganz klar sagen, es war das härteste was ich je getan habe. Alle zurück lassen, alles was man kannte, gehen mit nichts weiter als einem Koffer und einer Adresse wo man hoffentlich unter kommt. Obwohl UK nicht so weit von Deutschland weg ist, ist es doch ein komplett anderes Leben. Der Aldi ist anders, die Partys sind anders, Wohnungen, Feste, Freizeitgestaltung… alles ist anders mit guten, aber eben auch negativen Seiten.

Alles ist etwas chaotischer und schwieriger zu durchschauen als in Deutschland. Es gibt viel weniger Schutz was die einzelne Person angeht. Man muss immer arbeiten. An Sonntagen, Feiertagen… Der Mindestlohn ist weniger als in Deutschland, dafür sind die Lebenshaltungskosten viel höher. Keine Verträge, kein Kündigungsschutz.

Ebenfalls ist es hier schwieriger wahre Freunde zu finden. Das geht nicht nur mir so. Selbst wenn man nur aus einer anderen Stadt in Schottland kommt, ist es schwer Anschluss zu finden. Das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Die Schotten sind einfach gerne für sich, lassen nur schwer Leute an sich ran. Wenn man es dann allerdings in den inneren Kreis geschafft hat, hat man Menschen die alles für einen tun. Was wiederum wieder etwas positives ist, da man hier direkt weiß, woran man ist und nicht wie in Deutschland Freund von Feind nicht unterscheiden kann.

Obwohl ich im großen ganzen sehr glücklich bin, hatte ich natürlich auch schwere Tage. Das will ich gar nicht schön reden. Es ist hart und fordert viel Kraft. Man fühlt sich manchmal sehr einsam und verlassen, man möchte aufgeben. Man ist hin und her gerissen zwischen den zwei Welten, vor allem wenn man zu Besuch in die alte Heimat geht. Plötzlich ist alles vertraute wieder da, man nimmt viel mehr schöne Sachen war. Man will nicht mehr gehen, zweifelt an sich und der Entscheidung. Doch ich war immer wieder froh, zurück nach Edinburgh geflogen zu sein. Sobald die Three Bridges vom Flugzeug aus zu sehen waren wurde ich aufgeregt und wenn ich dann im Taxi vom Flughafen saß und die alten Sandsteingebäude vor mir auftauchten, wusste ich, dass ich wieder zuhause bin.

One year in Edinburgh- a year that changed me

It feels like my tearful, chaotic goodbye from Germany was just a few months ago. But it´s a whole year now since I moved to Scotland.

One year in-between bagpipes, communication problems and £3 Meal Deals. The first excitement is over and I got slowly but steady into a daily life routine.

But what changed for me? Did I changed? It is true what they say, new country new life?

In my case: Aye!

I always felt like I had to go somewhere else. I was racked by Sadness, restlessness, felt out of place. I watched my life pass by and couldn’t alter it for the better, no matter how hard I tried. I was just treading water from day to day, I didn’t even liked myself.

This is all gone now. I never felt that particular sadness or being trapped again since I moved to Edinburgh. Even after months and stressful daily life I feel great and changed. I blossomed.

The quiet person who was always dressed up in black is gone. I am more confident, determined und cheerful, walk up to people.

My one big dream to move abroad became a list of small goals I persistently work trough.

It sounds like a Eat-Pray-Love cliché, but I became the confident, contended woman I always wanted to be.

But why? I had rain and nice old buildings in my hometown. No one will deny that a change of scene will do ones good. But why was it Scotland which fascinated me so much? Why not just another city in Germany or a country with better weather and good food?

It´s not only the fact that something is foreign and thrilling. After all I have a normal daily life, I go to work, I cook in the evenings and I now nearly all the potholes where you better don’t stand on the stairs in the bus unless you want to fly it down.

It´s all  about the small differences which are giving me a better life quality over here, apart from the poor health system, non- existent tenant protection and sheep stomach as a national dish.

For one things it´s Edinburgh and the country itself.

The parks, trees and flowerbeds nestled along the old buildings, steep stairs and narrow alleys that seem like secret paths. The city is airy, bright and clean, you´re surrounded by hills, forests and the sea. The shopping streets, restaurants and bars are busy and full of life, if you want to escape the hustle and bustle, you just need to walk for a few minutes to be all by yourself. Edinburgh is a bustling city that offers everything without ever leaving you feeling constricted.

Second the people. Everyone heard of the british politeness and you have to keep in mind, that most of it is just because they were raised like this. Nevertheless, dealing with each other is much more respectful and makes everyday life more enjoyable. If it´s queuing up for the Bus, where everyone waits their turn and you don´t have to fight your way in with a bunch of people. Or at work, where customers and employers treat the other one with respect. You greet and thank the bus driver and at least 5 people rushing to your help carry your suitcase or shopping bags.

It´s easier to start a chat here, whether at the bus station, Aldi till queue or in a pub.

For me as a reserved person with not so much elbows I must say, the daily life is so much more enjoyable and easier.

Even on the streets at night I never felt as unsafe as in Germany. Everyone just minds their own business.

Another point is the chance of getting work here. Although there are far fewer jobs than in Germany, certificates are not really important. The people pay attention to personality, ambition and commitment. It is not important if you have an apprenticeship and 5 years of professional experience, but rather if you fit the company and are motivated. (Except, of course, doctor and pilot jobs).

In general, one can say that everyday life with each other is much more pleasant and easier than with Germans and therefore less stressful.

But of course, not everything was always great. I have to say it was the hardest thing I ever did. Leaving everyone behind, everything you knew, go with nothing more than a suitcase and an address where you can hopefully stay for a while. Although UK is not that far away from Germany, it’s a completely different life. The Aldi is different, the parties are different, apartments, parties, free time activities … everything is different with good, but also negative sides.

Everything is a bit more chaotic and difficult to understand than in Germany. There is much less protection for the individual. You always have to work. On Sundays, holidays … The minimum wage is less than in Germany, but the costs of living are much higher. No contracts, no protection against dismissal.

It is also harder to find true friends here. It’s not just me. Even if you come from another city in Scotland, it’s hard to find friends and get into groups. This has nothing to do with being foreign. The Scots are just happy to be on their own, difficult to get close to. But when you have made it into the inner circle, you have people who would do anything for you. Which turns this into something positive again, because you know where you stand, unlike in Germany where´s sometimes hard to tell the difference between friend and foe.

Although I am very happy, I had some hard days. I don´t want to lie about it and act like everything was always great and smooth. Going abroad is hard and demands a lot of strength and bravery. Sometimes you feel very lonely and abandoned, you want to give up. You are torn between the two worlds, especially when you visit your old home. Suddenly, everything is familiar again, you notice so much more beautiful things than you did when you lived there. You don´t want to leave anymore, you are full of doubts about yourself and your decisions. But I was always glad to have flown back to Edinburgh. As soon as the Three Bridges were visible from the plane I got excited. And when I sat in the taxi from the airport and saw the old sandstone buildings in front of me, I knew I was back home.

 

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